Viscosuisse/Rhodia Industrial Yarns AG, Emmenbrücke (Provenienz)

Archivplan-Kontext


Identifikationsbereich

Titel:Viscosuisse/Rhodia Industrial Yarns AG, Emmenbrücke
Stufe:Provenienz

Informationsbereich

Existenzzeitraum:1906 - 2006
Tätigkeitsbereich:Zu Beginn vor allem Produkte für die Textilbranche aus der Viscosefaser und ab 1951 auch synthetische Fasern. Zunehmende Bedeutung von Produkten für die industrielle Verwendung
Produkte (Auswahl):
Crinol: Rosshaarimitation aus der Viskosefaser
Flock: kurzgeschnittene Viskosefasern für Stoff- und Papieroberflächenveredelung
Nylon: vollsynthetische Faser aus Polyamid (Umgruppierung und Neuverbindung der Atome von Hexamethylen-Diamin und Adipinsäure)
Viscose=Kunstseide=Rayon (seit 1948): Gewebe aus Zellulose
Zellwolle=Fibranne=Stapelfaser: ebenfalls aus Zellulose, besonders zur industriellen Verwendung hergestelltes Gewebe; in den 1940-ern durch den Bund unterstützte Produktion
Verwaltungsgeschichte:Namensänderungen:
1906-1923 Société Suisse de la Viscose SA
1923-1975 Société de la Viscose Suisse SA (SVS; diese Abkürzung wird auch in der Erschliessung dieser Akzession benutzt)
1975-1990 Viscosuisse SA
1990-1997 Rhône-Poulenc Viscosuisse SA
1998-2006 erneut Viscosuisse SA (Holding, Liegenschaften)
1995-2000 Rhône-Poulenc Filtec AG/Rhodia Filtec AG (Produktion)
2000-2006 Rhodia Industrial Yarns AG

Gründer:
Ernest Carnot (1866-1955) gründete 1903 die Société de la Viscose Française, aus der sich die SVS entwickelte, und 1910 die Compagnie des Textiles Artificiels (CTA), welche die italienischen und französischen Unternehmen zusammenfasste. Jean Depelley (1852-1922) gilt als Gründer der Société Suisse de la Viscose und war von 1905 bis 1922 Präsident des Verwaltungsrats.

Gründung:
1906 wurde die SVS als französische Société Anonyme namens Société Suisse de la Viscose mit Sitz in Paris gegründet, die dann 1922 in eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht überführt wurde.
Für die Gründungszeit konnten die Beziehungen zur französichen Mutterfirma Rhône Poulenc SA nicht geklärt werden. In den 1980-ern ist ihre Teilhabe der Aktienmehrheit an der SVS überliefert.

Tochterfirmen:
Viscosuisse Widnau (SG), gegr. 1924.
Kunstseidefabrik Steckborn AG (TG), gegr. 1923 durch Borvisk-Kunstseiden-Werk AG, nach Konkurs 1926 geht ein Sechstel der Aktien an SVS, 1947 vollständig übernommen.
Zu Beginn der 1970-er werden die Texturierbetriebe Heberlein & Co. AG, Niederlenz u. Wattwil, (spätere Hetex Garn AG) und Brocklehurst Yarns Ltd., Cardiff (GB), (spätere Viscosuisse Textured Yarns Ltd.) übernommen.

Interne Arbeitnehmervertretung:
Erste Arbeitnehmervertretung bildet die Arbeiterkommission (gegr. 1906, aufgelöst um 1970). Die Betriebskommission (BEKO, gegr. um 1973, Vertreterin der nach dem Kollektivarbeitsvertrag Angestellten) und die Bürokommission (BÜKO, gegr. 1974, Vertreterin der Angestellten mit Einzelverträgen) übernehmen deren Aufgabe. 2001 werden BEKO und BÜKO durch die Personalkommission (PEKO) abgelöst. Parallel zur BEKO und BÜKO bestehen Werkkommissionen (WEKO), die sich mit Werkinternem befassen. Nach deren Auflösung 1995 gehen diese Aufgaben auf die BEKO und BÜKO über.
Weiter existierten folgende Organisationen, welche sich neben der Interessenvertretung vor allem dem kulturellen Bereich widmeten: der Hausverband (gegr. etwas vor 1919, bis ca. 1925), der Betriebsangestellten- und Meisterverband (BAMV, späterer Angestelltenverband, gegr. 1919, bis ca. 1963), der Verband des kaufmännischen Personals der Société de la Viscose (gegr. um 1944, bis ca. 1963), die Angestelltenvereinigung (AV, gegr. 1963 aus Fusion des BAMV und des Verbandes des kaufmännischen Personals). Daneben organisierten sich die Meister (Meistersitzungen, 1944-ca. 1960) und Vorarbeiter (Vorarbeiter-Verband, 1921-1970).

Versicherungen und Stiftungen:
Betriebskrankenkasse (gegr. 1908)

Liegenschaften:
Um 1920 übernimmt die SVS das ehemalige Arbeiter-Restaurant Winkelried und übergibt die Leitung dem Schweizer Verband Volksdienst, der bereits das betriebseigene Personalrestaurant führt.
Geschichte:
1906 Gründung. Eduard von Goumoëns wird erster Direktor. Bereits eine Arbeiterkommission gegründet
1908 Gründung der Betriebskrankenkasse. Baubeginn von ersten Arbeiterwohnungen
1918 Generalstreik mit geringen Auswirkungen für die SVS. E. von Goumoëns wird Leiter des Eidg. Ernährungsamtes
1924 Gründung der Fabriken in Widnau SG und Gozzano (?).
1935 Wirtschaftskrise. Stilllegung. Arbeitslager für die Angestellten
1936 langsame Wiederaufnahme des Betriebes
1941 Vertrag mit dem Bund über die Zellwollproduktion
1943 Beginn der Finanzierung von Wohnkolonien
1947 vollständige Übernahme der Steckborn Kunstseide AG
1951 Einführung der Nylonproduktion (erstmals in der Schweiz)
1961 Einführung der Polyamidproduktion (N66)
Anfang 1970-er Übernahme der Texturierbetriebe Heberlein & Co AG und Brocklehurst Yarns Ltd.
1972-1974 Schliessung von Steckborn
1972 Inbetriebnahme des Industriegarnwerks Vico. Sukzessive Ablösung der Rayonneproduktion
1980 Erweiterung des Industriegarnwerks Vico. Im Juni Stilllegung der Rayonneproduktion
1990 Umbenennung in Rhône-Poulenc Viscosuisse SA
1995 Umbenennung in Rhône-Poulenc Filtec AG
1998 Umbenennung in Rhodia Filtec AG als Folge der neugegründeten Rhodia, einer Absplittung der Rhône-Poulenc-Gruppe
2000 Umbenennung in Rhodia Industrial Yarns AG. Alle Rhodia Unternehmungen erhalten weltweit ein einheitliches CI
2006/07 Stilllegung des Betriebs in Emmenbrücke, Löschung der Gesellschaften Viscosuisse SA und Rhodia Industrial Yarns AG im Handelsregister
Bemerkungen:HLS-Artikel von Beatrice Schumacher: Die Kunstfaserproduzentin mit Sitz in Emmen wurde 1906 in Emmenbrücke als Tochter der franz. Unternehmergruppe Ernest Carnot gegründet und 1922 in eine Aktiengesellschaft nach schweiz. Recht umgewandelt (Société de la Viscose Suisse, 1976 V.). Nach experimentellen Anfängen stellte sie ab 1908 aus Holzzellulose Kunstseidegarne her. Die Firma expandierte rasch; 1924 wurde in Widnau eine Fabrik errichtet. Nach einer Absatzkrise und der temporären Stilllegung 1931-35 erfolgte im 2. Weltkrieg erneut ein Aufschwung (1941 Aufnahme der Zellwollproduktion). 1947 übernahm V. die Steckborn Kunstseide AG. Ab 1948 stellte sie Viscosegarne für Autoreifen her. Dank Verbindungen zur franz. Firma Rhône-Poulenc produzierte sie als erstes Schweizer Unternehmen Nylon und hatte in der Folge eine nationale Monopolstellung inne. Die Viscoseproduktion wurde 1980 aufgegeben. Wegen globaler Restrukturierungsprozesse wurde die V. ab 1989 verstärkt in internat. Grosskonzerne eingebunden. Es folgte ein Stellenabbau (1906 60 Angestellte, 1914 800, 1924 2'400, 1973 5'500, 1980 2'003, 2006 360). Nach versch. Namensänderungen erlosch die Firma 2006. Die V. verfolgte eine ausgeprägte betriebl. Sozialpolitik, förderte die firmenbezogene Identifikation bei den Beschäftigten und beeinflusste als Bauherrin, Liegenschaftsbesitzerin und Steuerzahlerin die Entwicklung der Gem. Emmen.
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:siehe Zugangsbestimmungen bei Akzession
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL: https://query-staatsarchiv.lu.ch/detail.aspx?ID=747750
 

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