von Moos / Swiss Steel AG, Emmenbrücke (Provenienz)

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Title:von Moos / Swiss Steel AG, Emmenbrücke
Level:Provenienz

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Period of Existence:1842 - 1996
Period of existence, comments.:Aus der von Moos Holding AG ging 1996 die Nachfolgerfirma Swiss Steel AG hervor. Seit 2003 gehört das Unternehmen dem Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach.
Range of activity:Die Familie von Moos baute im Bereich der Eisenverarbeitung über mehrere Generationen hinweg ein Unternehmen von internationaler Bedeutung auf. Die beiden Kaufleute Ludwig (1817-1898) und Franz Xaver (1819-97) errichteten auf der Reussinsel in Luzern einen Drahtzug und eine Nagelfabrik. Um 1850 erwarben die Gebrüder von Moos ein Fabrikgelände in Emmenbrücke. Unter dem Namen von Moos'sche Eisenwerke wurde die Unternehmung 1887 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Eduard (1855-1911) erneuerte sowohl das Siemens-Martin-Stahlwerk als auch das Drahtwalzwerk und gründete 1894 das Elektrizitätswerk Rathausen, aus dem die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) hervorgingen. Die Industriellenfamilie von Moos betrieb zwar eine bedeutende Wohnbaupolitik, trotzdem folgten 1905 erste Arbeiterstreiks. Eine Unternehmenskrise 1911-12 führte zur Konzentration auf den Produktionsstandort in Emmenbrücke durch Ludwig (1877-1956). Der Zweite Weltkrieg brachte unter Moritz (1898-1972) eine enorme Produktionszunahme der vom Stahl bis zum Nagel alles produzierenden Werke sowie die Verdoppelung der Arbeiterzahl auf 1900. Der Betrieb machte 1956-63 mit der Patentierung und dem Bau einer Stranggussanlage mit gebogener Kokille weltweit auf sich aufmerksam. Ausser zwischen 1903 und 1910 verfügte das Unternehmen bis zu Beginn der 1970er-Jahre über eine zweiteilige Spitze in Form eines technischen und eines kommerziellen Direktors. Auf die ab 1975 herrschende Konjunktur- und Stahlkrise reagierte Walter (1918-2016) mit der Spezialisierung auf Qualitätsstahl und einer neuen Unternehmungsorganisation: In den 1980er-Jahren wurde eine horizontale Führungsstruktur mit einer produkttypischen Profit-Center-Organisation eingeführt und das Unternehmen erhielt eine Holdingstruktur mit Spartenorganisation. Darauf folgte die finanzielle Teilöffnung durch einen Börsengang. Durch die Übernahme des Stahlgeschäftes der Firma Von Roll in Gerlafingen unter André (*1949) und der damit verbundenen Mehrheitsbeteiligung der Schweizerischen Grossbanken an der von Moos Holding AG wurde 1996 die schweizerische Stahlproduktion unter einem Dach konzentriert. Die Firma, welche 1997 in Swiss Steel AG umbenannt wurde, ging 2003 mehrheitlich an den deutschen Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach über.
Quelle: Hanspeter Lussy, Moos, von (LU, UR), Kap. 2: Die von Moos'schen Eisenwerke, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.01.2009 Schlüsseldaten der Firmengeschichte:

1680 Krämerschultheiss Peter von Moos erwarb am Krienbach in Obernau bei Kriens ein Hammerwerk zur Herstellung von Nägeln, die er in seinem Geschäft in Luzern verkaufte.
1765 Franz Ludwig von Moos-Schobinger eröffnete an der Eisengasse in Luzern ein Eisenwarengeschäft.
1842 Die beiden Brüder Ludwig und Franz Xaver von Moos kauften auf der Reussinsel in Luzern eine Getreidemühle mit Wassernutzungsrecht und richteten darin einen Drahtzug und eine Stiftenfabrik ein. 1847 folgte eine Schuhnagelfabrik.
1850 Die Gebrüder von Moos kauften in Emmenbrücke die Papierfabrik Emmenweid samt deren Wasserrechtskonzession an der Kleinen Emme.
1852 Die Gebrüder von Moos ersteigerten das Riegelhaus am Kasernenplatz, das so genannte Anderallmend-Haus, und verlegten ihr Verkaufsgeschäft dorthin.
1853 Auf dem Areal der Emmenweid in Emmenbrücke ging die erste von Moos-Eisenerzeugungsanlage samt Walzwerk in Betrieb. Die damalige Eisenherstellung brauchte viel Holzkohle. Die Gebrüder von Moos kauften daher in Schwarzenberg ausgedehnte Waldungen, in denen sie eine eigene Köhlerei aufbauten.
1864 Brand des Drahtzuges sowie des Büro- und Direktorenhauses in Emmenweid. Noch im gleichen Jahr wurde der Drahtzug wieder aufgebaut.
1867 Aus der Personengesellschaft entstand die Kommandit-Aktiengesellschaft "Gebr. von Moos & Co.". Ludwig von Moos wurde alleiniger Geschäftsführer. Franz Xaver von Moos verliess die Firma und gründete in Reussbühl eine Seidenspinnerei.
1867-1871 Bau des Verwaltungs- und Direktorengebäude am Kasernenplatz in der Stadt Luzern.
1868-1873 Bau des neuen Oberwasserkanals in der Emmenweid für die Kraftbeschaffung der geplanten grossen Nagelfabrik.
1887 Die bisherige Kommanditgesellschaft wurde in die Aktiengesellschaft der von Moos'schen Eisenwerke umgewandelt.
1889 Inbetriebnahme des ersten effektiven Stahlwerks, das nach dem Verfahren Siemens-Martin 70% Schrott und 30% Roheisen zu Stahl verarbeitete.
1893-1896 Das neue Walzwerk wurde statt mit Dampfmaschinen mit Elektromotoren angetrieben. Die hüttentechnische Weltneuheit fand in Fachkreisen grosse Beachtung.
1906 Von Moos erhielt auf dem Arbeitsmarkt einen bedeutenden Konkurrenten: Die Société Suisse de la Viscose baute in unmittelbarer Nähe der Eisenwerke die erste Kunstseidenfabrik.
1911 Das Siemens-Martin-Stahlwerk musste wegen Billigimporten vor allem aus Deutschland, aber auch infolge technischer Probleme schliessen. Das Walzwerk bezog das Rohmaterial (Knüppel) aus dem Ausland.
1919 Zum ersten Mal ging ein Elektroofen zur Stahlerzeugung in der Emmenweid in Betrieb. Weil das Kriegsende einen Zerfall der Eisenpreise zur Folge hatte, musste er 1924 wieder stillgelegt werden.
1920-1923 Während der Wirtschaftskrise wurde die Hälfte der Belegschaft entlassen.
1927 Die Herstellung von Betoneisen wurde zur wichtigsten und tragenden Massenproduktion.
1938-1941 Angesichts der internationalen Konfliktlage beantragte Ludwig von Moos den Bau eines modernen Elektro-Stahlwerks. Es konnte Ende 1939 den Betrieb aufnehmen und half entscheidend mit, die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs hinreichend mit Stahl zu versorgen.
1939 Im Krienser Bergwerk Sonnenberg wurde eigene Braunkohle abgebaut.
1939-1945 Während des Krieges erweiterte von Moos die Produktepalette und stellt erstmals anspruchsvollere Qualitätsstähle her.
1941 Am rechten Ufer der Emme erwarb von Moos den Littauerboden und 1944 wurde mit Hilfe polnischer Internierten der Schrottplatz dorthin verlegt.
1946 Von Moos begann mit der Produktion eines kalt verwundenen Betonstahls mit Profil nach österreichischen Patenten. Torstahl wurde zu einem Erfolgsprodukt und zum Hauptgewinnträger.
1946-1950 Arbeitskräftemangel: Anstellung der ersten 200 italienischen Frauen und Männer.
1955 Eine automatisierte Drahtstrasse im Walzwerke ging in Betrieb. Das Gewicht der Drahtrollen konnte von 30 auf 200 Kilo erhöht werden.
1959 Als erstes schweizerisches Stahlwerk baute von Moos eine moderne Einstrang-Giessmaschine, mit der die Knüppel kontinuierlich gegossen werden konnten.
1963 Erstmals wurde eine Tonne Stahl in der Bogenkokille gegossen. Die Weltneuheit wurde bei von Moos entwickelt. Sie erübrigt hohe und teure und letztlich unrationelle Giesstürme.
1964 Mit 2554 Angestellten erreichten die voll ausgelasteten von Moos-Betriebe ihren personellen Höchstbestand.
1970 Ein neuer Elektrostahlofen von BBC und Krupp ging in Betrieb. Er hatte ein Fassungsvermögen von 65 Tonnen Schrott.
1972 Einweihung des "von-Moos-Hauses" als Stätte der Begegnung, Erholung und Ausbildung.
1973 Unter der Leitung von Walter von Moos wurde von Moos neu organisiert respektive redimensioniert und diversifiziert. Es
entstanden unter dem von Moos-Dach 35 Gesellschaften in der Schweiz, in Europa und in den USA, was mithelfen sollte beim Überstehen der 1975 ausgebrochenen Stahlkrise. Die AG der von Moos'schen Eisenwerke wurde in von Moos Stahl AG umbenannt und das Aktienkapital schrittweise erhöht. Bis 1987 wurde die Belegschaft auf 1100 Mitarbeiter abgebaut.
1980 Ein kombiniertes Stab- und Drahtwarmwalzwerk (Walzwerk 80) nahm auf dem Littauerboden den Betrieb auf. Das für 123 Millionen Franken in zwei Jahren erstellte Werk war das modernste seiner Art in Europa. Es ermöglichte zusammen mit der Modernisierung des Stahlwerks, die Abhängigkeit von billigen Massenstählen zu mindern. Gleichzeitig stieg die Abhängigkeit von Fremdkapital.
1987 Die von Moos-Gruppe erhielt eine Holding-Struktur, deren Leitungsorgan die von Moos Holding AG war. Die von Moos Stahl AG wurde zusammen mit ihren bisherigen Tochtergesellschaften der von Moos Holding AG unterstellt.
1987 Umweltschutz: Der Stahlwerkofen wurde eingehaust und die Luftfiltrieranlage verstärkt.
1988 Grossüberbauung am Kasernenplatz mit Ladengeschäften, Büros und Wohnungen.
1996 Im Rahmen eines Bankendeals forderten die Schweizer Grossbanken von Moos auf, Kredite zu tilgen und drängten sie dadurch zur Übernahme des sanierungsbedürftigen Konkurrenten Von Roll Stahl AG. Darauffolgend übernahmen die Banken die von Moos Holding AG mehrheitlich, was zum Ausscheiden von André von Moos und zum Ende des Familienunternehmens führte.
1997 Der Firmenname von Moos Holding AG wurde in Swiss Steel AG geändert.
1997 Die Blankstahlproduktion wurde aus dem Tochterunternehmen von Moos Stahl ausgegliedert und in die neu entstandene Steeltec AG eingebracht.
2003 Der deutsche Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach übernahm die Aktienmehrheit der Swiss Steel.
2005 Ein Jahrhundert-Hochwasser legte im August die Produktion während vier Wochen lahm. Die Schäden waren in zweistelliger Millionenhöhe.
2006 Die meisten operativen Teile der Obergesellschaft Schmolz + Bickenbach wurden in die Swiss Steel AG eingebracht und letztere in Schmolz + Bickenbach AG umbenannt.
2007 Das Tochterunternehmen von Moos Stahl AG wurde in Swiss Steel AG umbenannt.

Quellen:
150 Jahre von Moos Stahl. Stahl verbindet, in: von Moos Nachrichten. Hauszeitung der von Moos Gruppe. Sonderausgabe zum Firmenjubiläum (1992).
Walter Schnieper, von Moos. Von der Hammerschmiede zum modernen Stahlunternehmen 1680-1996, Luzern 2008, S. 98-102.
Firmengeschichte der Swiss Steel AG, in: http://www.swiss-steel.com/unternehmen/geschichte/ [Zugriff am 10.11.2017].
 

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