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Allgemeine Information |
Identifikationsbereich |
| Titel: | Missionare von der Heiligen Familie MSF, Delegation Schweiz |
| Verwandte Körp./Familien/Personen: | Vorgängerinstitutionen: Schweizerische Provinz der Missionare von der Heiligen Familie, Missionsprokura der Missionare von der Heiligen Familie MSF, Christ-König Kollegium Nuolen, Sendbote der Missionare von der Heiligen Familie |
| Stufe: | Provenienz |
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Informationsbereich |
| Existenzzeitraum: | ab 1909 |
| Rechtsform: | Körperschaft |
| Tätigkeitsbereich: | In der ehemaligen Klosterwirtschaft «zur Arche» in Werthenstein führte die Ordensgemeinschaft, mit Unterbruch von 1917 bis 1926, von 1909 bis 1941 eine Schule u.a. mit Namen «Mater dolorosa» und nahm dort auch Zöglinge auf. Die Niederlassung beim Kloster Werthenstein im Oberdorf (auch Missionshaus genannt) bildete das administrative Zentrum der Schweizer Provinz. Ab 1931 waren die Redaktion des Sendbotenverlags und ab 1941 ein Scholastikat in denselben Räumlichkeiten angesiedelt. Das Scholastikat wurde auf Grund der Unmöglichkeit, Studenten während des Zweiten Weltkrieges zum Studium nach Ravengiersburg in Deutschland zu senden eingerichtet und bis 1966 teilweise in weiteren, gemieteten Räumlichkeiten im Klosterhauptgebäude geführt. Während die umliegenden Wirtschaftsgebäude (Arche, Krämerhaus) des ehemaligen Minoriten-Klosters von den Missionaren von der Heiligen Familie gekauft, genutzt und umgebaut wurden, wurde das Klosterhauptgebäude nie übernommen, sondern es wurden jeweils nur Einzelräume für die temporäre Nutzung zu gemietet. Der Unterhalt der Wallfahrtskirche Werthenstein wurde zeitweise durch die Missionare erbracht. In den 1950er und 1960er Jahren setzten sich die Missionare intensiv mit der vollständigen Übernahme des Klosters auseinander, entschieden sich jedoch u.a. aus Platz- und Kostengründen für einen Neubau auf der gegenüberliegenden Höchweid. |
| Das Missionsseminar Höchweid wurde 1969 eingeweiht und bis 2016 als Hauptniederlassung der Schweizer Provinz genutzt. Im Sprachgebrauch der Missionare blieb das Missionsseminar trotz seiner Lage auf Gemeindegebiet von Ruswil LU als Missionsseminar (Höchweid) Werthenstein bekannt, während die teilweise parallel genutzten Räumlichkeiten beim Kloster als Missionshaus Oberdorf bezeichnet wurden. Im Neubau wurden neben Wohnungen für die Provinzmitglieder auch eine Kirche, die Redaktion des Sendbotenverlags sowie die Missionsprokura der Madagaskarmission untergebracht.
In Folge fehlenden Nachwuchses wurde das Missionsseminar als Niederlassung 2016 aufgegeben, 2018 verkauft und die Kirche profaniert. |
| 1934 wurde in Nuolen SZ im ehemaligen Mineralbad am Zürichsee das Christ-König-Kollegium als Noviziat und Schule für die Missionsjugend eröffnet, welche vom «Missionsverein von der Heiligen Familie» getragen wurde. Der Kanton Schwyz erteilte 1939 die Erlaubnis, kantonale Maturitätszeugnisse auszustellen. 1947/48 erfolgte auf dem Grundstück ein Neubau, da das ehemalige Hotel nicht mehr genug Platz für die auf 70 bis 80 Schüler angewachsene Internatsschule bot. Die Schule wurde bis zum Wechsel zum Externat 1962 als geschlossene Missionsschule geführt. Mit finanzieller Unterstützung des Kantons Schwyz wurde 1968 ein weiterer Neubau errichtet. Das Internat wurde 1976 geschlossen und ab den 1980er Jahren zeichnete sich ab, dass den Missionaren der Nachwuchs für die alleinige Schulleitung fehlte. Im Rahmen des Bildungskonzepts «March 2000» wurde das Kollegium 1995 nach einer Volksabstimmung durch den Kanton gekauft und seither zusammen mit der Kantonsschule Pfäffikon als Kantonsschule Pfäffikon und Nuolen (KSPN) und später als Kantonsschule Ausserschwyz (KSA) bzw. Mittelschule Ausserschwyz (MSA) geführt. Die Missionare blieben im Schulbetrieb tätig und die Niederlassung selbst wurde weiter als Wohnort genutzt. Nach ihrem Wegzug aus Werthenstein bezogen die noch in Werthenstein lebenden Mitglieder der Schweizer Delegation 2016 ihre Altersresidenz im ehemaligen Mineralbad Nuolen. Dieses wurde im Herbst 2022 dem Kanton Schwyz verkauft, die noch verbliebenen Missionare zogen Mitte 2024 zur Altersbetreuung ins Alterswohnheim St. Josef in Ingenbohl SZ. |
| Neben den Niederlassungen in der Schweiz führten die Missionare ab 1938 in der Villa Civran Manfrin in Castione di Loria IT eine Missionsschule. Die Schule wurde 1958 aufgegeben und für zwei Jahre in ein Noviziat umgewandelt. Nach der Auflösung des Noviziats wurden die Räumlichkeiten für verschiedene Projekte genutzt, unter anderem als Unterkunft für die Landwirtschaftsschule von Castelfranco, als Zentrum für Jugendkurse in Zusammenarbeit mit der Diözese Treviso. Ausserdem wurden die Räumlichkeiten von der «Gruppo Formativo Castione» (GFC) genutzt. Neben der Villa mit ihren Ökonomiegebäuden umfasste die Niederlassung Castione auch das landwirtschaftlich genutzte Umland, welches in Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen und Vereinen (Societa Anonima Gestione Agricola Loria SAGAL, Vendrame Verde Servizi) verwaltet wurde. Ab 1985 wurde in der Niederlassung ein Familienzentrum geplant und für einige Jahre geführt. Das Archiv der Niederlassung wurde mit der Aufgabe im Jahr 2016 ins Generalarchiv der Missionare in Rom gebracht.
Der Verkauf der Niederlassung wurde 2019 abgeschlossen und die Ordensniederlassung am 1. April 2020 kirchenrechtlich aufgelöst. |
| Ab 1950 übernahm die Schweizer Provinz ein Missionsgebiet im Südwesten der Insel Madagaskar mit Zentrum Morombe, welche als von der Schweizer Provinz abhängige Region verwaltet wurde. 1960 wurde eine römisch-katholische Diözese mit Sitz in Morombe eingerichtet, erster Bischof wurde mit Joseph Zimmermann ein Mitglied der Schweizer Provinz. Mit der Abschaffung der Regionen in der Kongregation MSF 1972 wurde das Missionsgebiet Madagaskar zu einer eigenständigen Provinz. Durch die 1953 gegründete Missionsprokura unterstützte und finanzierte die Schweizer Provinz die Mission in Madagaskar auch nach 1972. Per Dekret der Generalleitung MSF in Rom von 1983 wurde das, bis dahin durch die französische Provinz verwaltete Missionsgebiet, um Ambalavao im zentralen Hochland in die madagassische Provinz integriert. Nach dem Tod von Joseph Zimmermann wurde mit Alwin Albert Hafner 1988 ein weiterer Schweizer Missionar Bischof der Diözese in Morombe. Dieser trat 2000 krankheitsbedingt von seinem Amt zurück und kehrte 2001 in die Schweiz zurück, sein Nachfolger war Zygmunt Robaszkiewicz aus Polen.
In folge fehlenden Nachwuchses in der Schweizer Provinz wurde 2012 ein Förderverein für die Madagaskar Mission (Förderverein Mission der Hl. Familie Werthenstein, Miray Madagaskar) gegründet, der die Aufgaben der Missionsprokura weiterführte. |
| Verwaltungsgeschichte / Biogr. Angaben: | 1895 wurde die Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie MSF vom französischen Saletinerpater Jean Berthier in den Niederlanden gegründet. Kurz nach dem Tod Berthiers wurde in Werthenstein 1909 die erste Schweizer Niederlassung eröffnet, welche der Westdeutschen Provinz der MSF unterstand. Nach dem Generalkapitel der Kongregation von 1931 wurde in der Schweiz ein Kommissariat eingerichtet, welches 1940 zu einer Quasi-Provinz und nach einer apostolischen Visitation 1947 zu einer regulären Provinz der Kongregation erhoben wurde. Die Schweizer Niederlassung in Werthenstein wurde 2016 aufgehoben und die damalige Schweizer Provinz MSF zur «Delegation MSF Schweiz» umgewandelt. |
| 1934 wurde zur Umgehung des damals noch geltenden Jesuitenartikels (ehem. BV Art. 51 und 52) der Missionsverein von der Heiligen Familie Werthenstein gegründet, damit die Kongregation direkt Liegenschaften kaufen und verwalten konnte. Über den Missionsverein konnte u.a. das Mineralbad Nuolen sowie diverse Gebäude um das Kloster Werthenstein erworben werden. Der Zweck des 2024 noch bestehenden, im Handelsregister eingetragenen Vereins ist die Förderung des katholischen Missionswesens. |
| Verwandtes Material: | Archiv der Generalleitung der Missionare von der Heiligen Familie, Rom |
| Bemerkung: | Der verantwortliche Leiter und Delegierte der Generalleitung ist Stand Mai 2024 P. Julius Zihlmann. |
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Benutzung |
| Erforderliche Bewilligung: | siehe Zugangsbestimmungen bei Akzession |
| Physische Benützbarkeit: | Uneingeschränkt |
| Zugänglichkeit: | Öffentlich |
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URL für diese Verz.-Einheit |
| URL: | https://query-staatsarchiv.lu.ch/detail.aspx?ID=1853024 |
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