Staatliche Bestände (Moderne Bestände, Provenienz-System) (Tektonik)

Archivplan-Kontext


Titel:Staatliche Bestände (Moderne Bestände, Provenienz-System)
Stufe:Tektonik
Bemerkungen:Die modernen staatlichen Bestände können, nach dem Prinzip ihrer Strukturierung im Staatsarchiv, auch als "Provenienzbestände" bezeichnet werden. Seit 1971 wird das abgelieferte Schriftgut im Archiv nämlich nicht mehr nach Sachbereich auf verschiedene Archivfächer (Pertinenzen) aufgeteilt, sondern nach dem Herkunfts- oder Provenienzprinzip beisammen ge
lassen und unter dem Titel der abliefernden Dienststelle aufgeführt. Mit dem Begriff "Provenienzbestände" ist deshalb jenes Schriftgut gemeint, welches im Wesentlichen seit 1971 aus den verschiedenen Departementen, Anstalten und Amtsstellen der kantonalen Verwaltung, von der Regierung, dem Parlament und den Gerichten ins Staatsarchiv gelangt ist. Da das Schriftgut im Durchschnitt rund 10 Jahre in den Dienststellen lagert, bevor es ins Archiv gelangt, reichen die Provenienzbestände in der Regel bis ca. 1950 oder 1960 zurück. Ausnahmsweise gibt es auch wesentlich ältere Unterlagen, die von den Dienststellen über längere Zeit zurückbehalten worden waren.

Die modernen staatlichen Bestände bilden kein abgeschlossenes Archiv, sondern nehmen weiterhin zu. Die jährliche Zunahme beträgt durchschnittlich gegen 200 Laufmeter. Ein Teil der ans Staatsarchiv gelieferten Akten wird nur aus Gründen der Rechtssicherheit für eine bestimmte Dauer aufbewahrt und kann später eliminiert werden. Die meisten Ablieferungen gelten jedoch als bewertet und haben ihre definitive Gestalt gefunden.

Die Dienststellen sollen gemäss dem Provenienzprinzip im Staatsarchiv als Gliederungsschema dienen. Für eine übersichtliche Einordnung ist es deshalb vorteilhaft, wenn sie eine grosse Konstanz aufweisen. Da sie aber in der Verwaltungswirklichkeit dem steten Wandel der Organisationsstruktur ausgesetzt sind, ergeben sich diesbezüglich Schwierigkeiten. Es ist schon schwierig, die Zahl der gegenwärtig existierenden Dienststellen im Kanton Luzern exakt anzugeben, denn in vielen Bereichen sind die Strukturen nicht klar definiert: Abteilungen treten de facto als Dienststellen auf, obwohl sie Teil einer schwach ausgebildeten, in den Organigrammen jedoch als Dienststelle aufscheinenden "Dachorganisation" sind etc. Dazu kommen die zeitlichen Fluktuationen: Bisher als eigenständige Dienststellen geltende Organe werden neu als Abteilungen einer grösseren Dienststelle aufgeführt oder mit andern Organen zusammengelegt etc. - Das Staatsarchiv verfolgt diese organisatorischen und hierarchischen Veränderungen aufmerksam, doch kann es sie im Interesse einer anzustrebenden Kontinuität nicht immer direkt zur Grundlage für seine eigenen Einordnungen machen. Es zieht deswegen eine eher pragmatische Lösung vor: Anstatt des zu stark von der Verwaltung bestimmten Begriffs Dienststelle wird von aktenabliefernder Stelle gesprochen. Es kann dies eine Gerichtsbehörde, ein Departement, eine Dienststelle im Sinne von Amtsstelle oder Anstalt oder eine Abteilung innerhalb einer Dienststelle sein. Manchmal kann sogar eine einzelne Stelle innerhalb eines Verwaltungsorgans als aktenabliefernder Partner auftreten, wenn sie über ein traditionell starkes Eigenleben und eine separate Aktenablage verfügt. In solchen und ähnlichen Fällen werden die Akzessionen unter dem Titel der "offiziellen" Dienststelle, aber mit zusätzlicher Nennung der Einzelstelle oder Abteilung aufgeführt.
Aktenproduzierende und aktenabliefernde Stelle sind nicht immer identisch. Im Folgenden werden die Unterlagen in der Regel unter dem Titel der aktenabliefernden Stelle aufgeführt. In vereinzelten Fällen wird allerdings von dieser Regel abgewichen, z. B. wenn es eher an räumlichen Zufällen liegt, wer nun als Ablieferer von nachgelassenen Akten einer aufgehobenen Dienststelle auftritt oder wenn der Ablieferer gar nicht mehr eruiert werden kann, weil er seinerzeit nicht protokolliert wurde. In solchen und ähnlichen Fällen wird der Aktenproduzent als abliefernde Stelle aufgeführt, obwohl die Ablieferung zu einem Zeitpunkt erfolgte, in dem der Aktenproduzent streng genommen gar nicht mehr existierte.

"Panta rhei - Alles fliesst": Die Entwicklung der Verwaltung und ihres Umfeldes bringt es mit sich, dass nicht nur neue Dienststellen entstehen, sondern dass mitunter auch Dienststellen umbenannt, aufgelöst oder fusioniert werden. Bei solchen ehemaligen Dienststellen, die als aktenabliefernde Stellen bei den Provenienzbeständen auftauchen, wird jeweils der Existenzzeitraum gleich im Titel in Klammern angefügt.

Änderungen in der Organisation oder Benennung einer Dienststelle werden in der Provenienzbeschreibung angegeben. Als Quellen für diese behördengeschichtlichen Notizen dienten vor allem die bis 2002 erscheinenden Staatskalender (mit Auflistungen und seit 1978/79 mit Organigrammen der kantonalen Verwaltung), die Staatsverwaltungsberichte und die einschlägigen gesetzlichen Regelungen (für die aktuelle Situation vgl. Systematische Rechtssammlung des Kantons Luzern SRL, vor allem die Nummern 20 und 36-37a).

Es ist zu beachten, dass in scope nur jene Provenienzen (Dienststellen und Körperschaften des Kantons) aufgeführt werden, die seit Einführung des Provenienzprinzips (1971) tatsächlich Schriftgut an das Staatsarchiv abgeliefert haben. (Eine Ausnahme stellt der Teilbereich "Ehemalige Departemente" dar: hier werden sämtliche ehemals existierenden Departemente aufgeführt, auch wenn sie längst vor Einführung des Provenienzprinzips aufgehoben oder umbenannt wurden).

Die Repertorien zu den Provenienzbeständen (REP 60-63) sind zum grössten Teil nicht im öffentlichen Bereich aufgestellt, weil das darin verzeichnete Schriftgut teilweise noch in die Schutzfrist fällt. Die Einsichtnahme in die Verzeichnisse wird aber gestattet, sofern es sich um Unterlagen handelt, die nicht in die Schutzfrist fallen (vgl. Archivgesetz, §§ 11-15) oder wenn das Archivpersonal abgeklärt hat, dass die betreffenden Verzeichnisse keine sensiblen Informationen enthalten.
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:siehe Zugangsbestimmungen bei Akzession
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL: https://query-staatsarchiv.lu.ch/detail.aspx?ID=165674
 

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