Kovive - Ferien für Kinder in Not (Provenienz)

Archivplan-Kontext


Identifikationsbereich

Titel:Kovive - Ferien für Kinder in Not
Stufe:Provenienz

Informationsbereich

Existenzzeitraum:ab 1954
Geographische Angaben:Schweiz
Rechtsform:Verein
Tätigkeitsbereich:Ermöglichung der Erholung von benachteiligten Kindern aus dem In- und Ausland; Förderung der Begegnung, der Gastfreundschaft und des sozialen Austausches über kulturelle und geografische Grenzen hinweg und gleichzeitige Ermöglichung des sozialen Engagements von Freiwiligen; Schaffung von Freiräumen, die selbständiges Wachsen aus Not und sozialer Bedrängnis ermöglichen, dies geschieht durch: Erholungs- und Ferienangebote für benachteiligte Kinder und ihre Familien; Starthilfe und Begleitung von sozialen Projekten, die Erholungsmöglichkeiten bieten; Öffentlichkeitsarbeit zur Vereinstätigkeit und zu den Themen "Armut" und "Erholung".
Verwaltungsgeschichte / Biogr. Angaben:Im Winter 1954 hört Peter Kuhn, ein 18-jähriger Schweizer, den Hilferuf des damals noch unbekannten Franzosen Abbé Pierre im Radio: „Ein kleines Kind der Stadt Paris ist erfroren, während Tausende wohlgenährter Zeitgenossen in ihrem warmen Heim unbekümmert dahinleben.“
Peter Kuhn trommelt über Zeitungsannoncen 80 Schweizer „Jungmänner“ zusammen und fährt mit ihnen in den Sommerferien nach Paris. Dort helfen sie Abbé Pierre beim Bau von Notunterkünften für obdachlose Kinder und Familien.
Die Ungarnkrise vom Herbst 1956 löst riesige Flüchtlingsströme aus. Die Gruppe um Peter Kuhn will dem Elend mit direkter Hilfe begegnen und bietet 100 ungarischen Flüchtlingen Zuflucht in einem leeren Kinderheim im Wallis.
Das Werk der jungen Schweizer gibt sich den Namen „Aktion im Dienste des Bruders“. Es konzentriert sich immer mehr auf die direkte Hilfe an Kindern und beginnt in zwei Bereichen zu arbeiten, die bis heute zu den Kernaufgaben des Hilfswerks gehören: Ferien für Kinder bei Schweizer Gastfamilien und Kinderlager.
1959 weist die Lagerstatistik die Zahl von 650 Kindern aus. Fast ebenso viele Kinder verbringen erholsame Ferien bei Gastfamilien. Die bedürftigen Kinder stammen aus „Elendslagern, Notwohnungen, zerrütteten Familien“ in Frankreich und Deutschland. Finanziert werden die Angebote durch Hotelsammlungen in Schweizer Kurorten und mit dem Rundbrief „Franken des Monats“. Hunderte von Freiwilligen bilden schon damals die Basis der „Aktion“.
1960 wird in Paris die „Action fraternelle“ gegründet. Ein Jahr später entsteht im Ruhrgebiet der bis heute sehr aktive deutsche Zweig der „Aktion im Dienste des Bruders“. Da die Aufgaben stetig wachsen, wird 1966 in Luzern der erste Geschäftsleiter engagiert.
In den Siebzigerjahren wirbt die „Aktion“ mit direkt adressiertem Brief um Spenden. Die Einnahmen steigen und die Professionalisierung der Angebote nimmt zu. Besonderer Wert wird auf die Schulung der freiwilligen Lagerbetreuer gelegt. Die neu gebildeten Regionalgruppen für Gasteltern verbessern die lokale Verankerung. Gleichzeitig entwickelt sich ein internationales Netzwerk mit zahlreichen Partnerorganisationen im In- und Ausland. In den Weihnachtsferien 1976 werden zum ersten Mal Ferien für Not leidende Familien aus der Schweiz durchgeführt.
Die “Neue Armut“ in der Wohlstandsgesellschaft - als Folge von mangelnder Schulbildung, Arbeitslosigkeit, Sucht und Isolation - erfordert Anfang der Achtzigerjahre eine Erweiterung des Angebots. Gemäss dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ entsteht der zusätzliche Bereich „Projektarbeit“ und mit ihm die heute selbständigen Organisationen Drogenforum Innerschweiz, Gassechuchi, IG Arbeit, Chinderhus sowie Lesen und Schreiben für Erwachsene.
Im November 1985 erhält das Hilfswerk den neuen Namen „Kovive“. Er steht als Sinnbild für das solidarische
Zusammenleben (lat. „convivere“) in Europa und der Schweiz.
Nach dem Fall der Berliner Mauer weitet Kovive in den Neunzigerjahren ihre Kinderprojekte auf Ostdeutschland und Ungarn aus, später kommen die Ukraine (Tschernobyl), Polen und Tschechien (Hochwasserkatastrophe) dazu. Da gleichzeitig in der Schweiz immer mehr Familien an der Armutsgrenze leben, werden neu auch Ferienlager und Gastfamilienplätze für Schweizer Kinder ermöglicht.
Heute erleben Jahr für Jahr über 1300 Kinder aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Osteuropa Ferientage bei Schweizer Gastfamilien, in Ferienlagern und Familienferien.
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:siehe Zugangsbestimmungen bei Akzession
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:https://query-staatsarchiv.lu.ch/detail.aspx?ID=1434106
 
Startseite|Bestellkorbkeine Einträge|Anmelden|de en fr it
Archivkatalog Staatsarchiv Luzern